Zukunftskommission?


Die Reformkonzepte der "Zukunftskommission" sind ein frontaler Angriff auf die Arbeits- und Lebensqualität von tausenden LehrerInnen !
Im Oktober 2003 wurde der Öffentlichkeit ein "Reformkonzept" von der regierungs-beauftragten Zukunftskommission vorgelegt.

Warum können wir uns als unabhängige GewerkschafterInnen in keiner Weise mit diesem Reformkonzept anfreunden ?

1.     Das Konzept der Zukunftskommission geht von einem "strategischen Gesamtkonzept" aus, das eine völlig neue Steuerungsphilosophie in die Schulen pflanzen will.
Unter dem Schlagwort der Effizienzsteigerung soll ein dichtes Netz von Berichtpflichten, Evaluationsaktivitäten auf allen Ebenen und ständige Selbstevaluation aufgebaut werden.
In verordneten Arbeitsgruppen und Teambesprechungen mit karrierefreudigen Kräften (ausgestattet mit Zertifikaten und anderen Zeugnissen!) sollen Lehrerinnen und Lehrer in ein Hamsterrad gezwungen werden.

 

2.     Über all dem thronen ein noch zu installierendes ominöses BIS ("Nationales Bildungsinformationssystem"), ein "Nationaler Bildungsbericht" und schließlich ein RBM (Regionales Bildungsmanagement).
In diesen Institutionen werden "unabhängige" WissenschafterInnen sitzen und über Begriffe, Ziele und Testverfahren bestimmen, um den "veräußerlichten" Bildungszielen den Charakter von objektiver Unangreifbarkeit zu geben.
Im Geiste des Hardcore - Neoliberalen James M. Buchanan (Nobelpreis 1986) und seinem "Neuen Institutionalismus" soll die Bildungsinstitution ausschließlich auf Ökonomie ausgerichtet werden. Durch relative Personal- und Finanzhoheit der einzelnen Schulen werden LehrerInnen dem Sachzwang der Verwertungsansprüche und den Forderungen der "Wirtschaft" ausgeliefert.

3.     Zum Weltbild der Zukunftskommissäre meint der kritische Erziehungswissenschaftler Dr. Erich Ribolits: "- für sie hat das Bildungssystem die Rolle einer Zulieferinstanz für den politisch-ökonomischen Status Quo. Aufgabe der Schule ist für sie einzig, in ausreichender Zahl und bei optimaler Kosten-Nutzen-Relation brauchbares Humankapital zu produzieren. Hauptstoßrichtung ihrer Kritik ist demnach die mangelnde Effektivität von Schule und Lehrern bei der Umsetzung dieser Vorgabe."

4.     Evaluation und Standards sind die Schlüsselworte des ganzen Unternehmens. In diesem bereits einsetzenden Pseudoreformwahns werden sogar neue Wörter geboren:
“STAVALUATION" als Mischwort aus Standards und Evaluation.

Alles soll im Schulalltag im Licht der Beurteilung und BEWERTUNG gesehen werden.
Diese "Transparenz" soll in regelmäßigen Veröffentlichungen münden und auch in eine von der Boulevardpresse "informierte" Öffentlichkeit gezerrt werden, wenn es der "Sache" dient.
So das Mitglied der Zukunftskommission Werner Specht: "Die Überprüfung der Standards kann primär orientierende und entwicklungsunterstützende Funktion (im Sinne der Selbstevaluation) haben, prinzipiell aber auch für die Außenbewertung (von Schulen, Lehrern, Schülern) mit entsprechenden Konsequenzen eingesetzt werden. Welche der Funktionen angestrebt wird, ist Sache politischer Grundsatzentscheidungen."(AHAes-7/03) Die Öffentlichkeit als neuer und digitalisierter Pranger!

 

5.     Um diese Effektivitätsziele zu erreichen, bedarf es "anderer" LehrerInnen .
Durch völlig veränderte Rahmenbedingungen sollen diese Lehrroboter herangezüchtet werden. (Man denkt dabei etwa an 10 Jahre!)
Freiwillig unterwerfen sich die Lehrkräfte nicht diesem Wahn, daher ist ein umfangreiches Zwangsystem notwendig: Kontrollen auf allen Ebenen, "Karriereleiter" und "leistungsorientierte Bezahlung" als finanzielle Keule. Pragmatisierungen und relative Sicherheiten sind in dieser Ideologie nur Störfaktoren. Die gesteigerte Angst um den Arbeitsplatz muss auch im Schulwesen zum treibenden Faktor werden.

 

6.     Eines der wichtigsten Säulen diese "Reformkonzeptes" ist die Einführung eines Jahresnormmodelles, das die Verfügbarkeit über die Arbeitszeit der LehrerInnen enorm erweitert. Geplant ist fast eine Verdoppelung der Anwesenheitszeit auf 40 Wochenstunden. Dadurch wird die "Flexibilisierung" der Arbeitszeiten und die so genannten "Handlungsspielräume" erreicht.
"Ein Jahresarbeitszeitmodell weist beispielsweise der einzelnen Schule ein überschau-bares, autonom zu nutzendes Zeitbudget zu, und ermöglicht so mehr pädagogischen Gestaltungsfreiraum" (Seite 75-Reformkonzept) Aus dieser Verfügbarmachung tausender unbezahlter LehrerInnenstunden werden die Systeme für Kontrolle, Monitoring, Beratung usw. kostenlos gespeist. Die Lehrerinnen und Lehrer werden ihre eigenen AufpasserInnen!

Natürlich geht im Lichte dieser Effizienz jeglicher Bildungsanspruch verloren. Über Inhalte wird nicht mehr reflektiert, sondern nur über den populären Modus eines testbaren Ver-fahrens. Statt Bildung gibt es nur mehr ein Bündel von Kompetenzen und Verhaltensweisen. Im Brennglas dieser Verwertungsideen haben dann "Nebengegenstände" keinen Sinn mehr, es hat keinen Sinn mehr zu denken, zu rasten, sich Zeit zu lassen, zu singen, zu malen, zu musizieren, zu schreiben...schlicht Mensch zu sein.
Dr. Erich Ribolits: "Gebildet zu sein bedeutet für die Verfasser/innen (der Zukunfts-kommission) bloß, innerhalb von Zwängen perfekt zu funktionieren und nicht die Fähigkeit, Zwänge hinterfragen und den Mut für Gegenvisionen entwickeln zu können."

 

Daher unsere Forderungen:

 

Stoppt den Verwertungs- und Evaluationswahn in der Schule !
Keine Chance dieser "Reform" !
Weg mit dem Überwachungsplan !
Schluss mit dem Unsinn !

 

November 2003