Autonomiepaket und Bildungsreform

„Der ideale Schultyp ist selbstbestimmt. Das Autonomiepaket bildet für mich das Herzstück der Bildungsreform, denn die Pädagoginnen und Pädagogen vor Ort wissen am besten, was am Schulstandort gebraucht wird und wie sie ihre Kinder am besten fördern können“, erklärt Hammerschmid. (https://www.bmb.gv.at/ministerium/vp/2016/20161018.html) 

Das Autonomiepaket beinhaltet folgende Punkte:

 

Schulcluster und Bildungscampus/-region:

Zwei bis maximal acht Schulstandorte in geographisch benachbarter Lage sollen sich zu einem Schulcluster bzw. einem Bildungscampus/-region zusammenschließen können, um gemeinsam Ressourcen zu nutzen.

  • Eine Schulleiterin/ein Schulleiter entscheidet über die Ressourcen-Nutzung, aus der Mitsprache der SchulpartnerInnen (SGA) wird eine „Beratung“.

Unterrichtsorganisation:

Die Schule kann autonom festlegen, welche Fächer in welcher Art der Gruppenbildung unterrichtet werden. Fächerübergreifende Projekte und jahrgangsübergreifende Unterrichtsformen werden dadurch erleichtert. Auch die Länge der Unterrichtseinheiten und die Öffnungszeiten werden flexibilisiert.

  • Die Höchstzahlen von SchülerInnen pro Klasse werden abgeschafft – wo bleibt da die viel beschworene Individualisierung ?

Die Schule (die Direktion!) kann autonom Schwerpunktfächer anbieten, entsprechend dem Schulprofil. Dafür gibt es allerdings nicht zusätzliche Werteinheiten, neue Fächer führen zu höheren SchülerInnenzahlen im Unterricht! Will sich eine Schule profilieren, sich von anderen unterscheiden - weil das Potemkinsche Dorf „Markt“ auch in Schulen wirken soll -, will sich eine Schule also ein „Alleinstellungsmerkmal“ erkämpfen, muss sie dafür in Kauf nehmen, dass Unterricht in großen Klassen stattfindet . Bleibt der Erfolg aus, dann ist die Schule (bzw. die LehrerInnen) schuld, denn die Entscheidung wurde autonom getroffen!

Auswahl der PädagogInnen:

DirektorInnen sollen selbst entscheiden können, welche LehrerInnen aufgenommen werden. Sie können sich jene PädagogInnen aussuchen, die am besten zu den Bedürfnissen der Schule passen.

  • Das ist keine großartige Neuerung: schon jetzt entscheidet die Direktion, ob eine Bewerberin/ein Bewerber in „ihre“ Schule „passt“. Allerdings findet sich häufig genug niemand für eine ausgeschriebene Unterrichtsstelle, StudentInnen springen dann ein.

 

Was bleibt unterm Strich?

Große Ankündigungen, Einsparungen bei Werteinheiten mit der Hoffnung, dass die Schulen trotzdem irgendwie ein breiteres Unterrichtsangebot schaffen, eine Vereinfachung von Entscheidungsabläufen, indem die Schulpartner ausgebootet werden.

Die Worte „Autonomie“ und „Reform“ sind wieder einmal mit Verschlechterungen im Bildungsbereich gekoppelt!